KZ und Massentierhaltung, moralisch vergleichbar?

Immer wieder lese ich Vergleiche zwischen den Konzentrationslagern im Dritten Reich und der Massentierhaltung. Die Standpunkte sind sehr kontrovers und wie so oft arten die Diskussionen in übelste Beschimpfungen aus. Doch was ist nun dran an dem Vergleich? Hierzu habe ich mir meine Gedanken gemacht und versuche diese hier zu erläutern. Vorweg möchte ich sagen, dass meiner Meinung nach der Vergleich in mehreren Punkten möglich ist.

• Mensch & Tier = Lebewesen
Das größte Argument der Vergleichsgegner ist, dass es sich bei den Opfern in den Konzentrationslagern um Menschen gehandelt hat. Doch auch wir Menschen sind auf dem Planeten nur Lebewesen, genau wie die Tiere. Denn auch sie trauern um ihre Angehörigen und ertragen unendliches Leid! Somit sehe ich hier keinen Unterschied.
• Ausbeutung
Die menschlichen Opfer wurden in der Militärindustrie, im Straßenbau und vielen anderen Produktionszweigen unter widrigsten Umständen eingesetzt. Was ist bei der Massentierhaltung anders? Die Eier-, Milch-, Woll-, Fellproduktion, Zwangsschwängerung für Frischfleisch! Die Opfer werden ausgebeutet bis sie aus Erschöpfung sterben oder aus Unwirtschaftlichkeit getötet werden!
• Ausrottung – Vernichtung
Im 3. Reich wurden die Opfer aus verschiedenen Gründen umgebracht mit dem Ziel der Ausrottung der Rasse oder der „Krankheit“. Was ist mit den männlichen Küken? Diese werden genauso vernichtet, am liebsten ausgerottet, weil nicht benötigt! Bullenkälber in der Milchwirtschaftsindustrie ebenso. Es ist also eine Massentötung aus ethnischen oder wirtschaftlichen Gründen.
• Haltung

Gibt es da große Unterschiede?
Ich denke nein. Eingepfercht in kleinste „Räume“, Massenhaltung in Hallen und Baracken. Nur das notwendigste zum Überleben. Alte und Kranke werden aussortiert und umgebracht, dazwischen viele Tote.
• Vernichtungsmaschinerie
Es ist die reine Fließbandtötung gewesen und ist es heute auch. Abstechen, Erschießen, Vergasen, Aufschlitzen…, in der Art und Weise des Tötungsvorgehens sehe ich keinen Unterschied. Dazu kommen noch die abartigsten Versuche, die an den Opfern durchgeführt wurden und werden.

Wenn ich mir diese Punkte nun so ansehe, ist für mich kein großer Unterschied vorhanden. Natürlich werde ich keinem Betreiber und deren Mitarbeiter der Massentierhaltungsbetriebe unterstellen, sie seien Nazis.

Doch stellen sie sich nicht über die anderen Lebewesen? Maßen sie sich nicht an über Leben und Tod zu entscheiden? Wie kann ein Mensch dies in so einer Form für gutheißen? Das funktioniert nur, wenn er das Lebewesen als Sache, als Gegenstand oder als Ware sieht.

Das ist weder menschlich noch ethisch vertretbar und doch wurde und wird es geduldet!
Damals wie heute gilt die Aussage eines amerikanischen Korrespondenten des Armee-Magazins „Yank“: „… Die guten deutschen Bürger verschlossen ihre Augen, Ohren und Nasen und sahen, hörten und rochen nichts.“
(Zitat aus dem Artikel „Wie die Deutschen den Holocaust verdrängten“, Welt)

Hauptsache ich lebe und habe Lebensmittel (besser Leichenteile) auf meinem Teller. Denn mit Leben oder Überleben hat es nichts zu tun. Der Mensch braucht es nicht zum Leben!

Das ist meine Meinung und sie wird nicht nur auf Verständnis treffen. Doch die grausame Wahrheit ist nicht immer beliebt und als vegan lebender Mensch trifft man leider oft auf Unverständnis. Schließlich werden die wunden Punkte, die eigentlich jeder Mensch kennt, angesprochen und preisgegeben.

♦ Ich möchte mit diesem Artikel keine Menschen, keine Opfer und deren Angehörigen verunglimpfen und deren Leid und Trauer in Frage stellen ♦

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