Ulm

„In Ulm und um Ulm und um Ulm herum“.


Unser letzter Urlaubstag ist angebrochen und was machen wir zwei Verliebten? Wir fahren mit dem Zug nach Ulm, mit einem erste Klasse-Ticket. Nobel, nobel. Dafür bin ich meinem lieben Ehemann unendlich dankbar.
Das obige Sprichwort ist zwar als Zungenbrecher bekannt, beschreibt aber unsere Aktivitäten in dieser Stadt am heutigen Tag sehr genau. In Wiki ist das Stadtbild folgendermaßen beschrieben:

„Ulm ist eine mittelalterliche Stadt im süddeutschen Bundesland Baden-Württemberg. In der Stadtmitte befindet sich das imposante Ulmer Münster, eine jahrhundertealte Kirche im gotischen Baustil. Ihr Kirchturm bietet Blick auf die Stadt und bei klarem Wetter lassen sich sogar die Alpen erkennen. Das Rathaus zeichnet sich durch seine Fassade aus der Frührenaissance, seine Fresken und seine astronomische Uhr aus dem 16. Jahrhundert aus. Die engen Gassen des Fischerviertels, einem Stadtteil an der Donau, werden durch Fachwerkhäuser geprägt.“

Das Ulmer Münster! Wie zwei kleine Ameisen stehen wir vor diesem gigantisch hohen Gebäude. Unfassbar wie die Türme in den Himmel ragen. Der Entschluss, die Treppen zu erklimmen um die oberste Spitze der Kirche zu erreichen fällt spontan und relativ zügig. Also die ersten Runden waren spaßig. Wir erzählen, lachen und schauen immer und immer wieder aus den kleinen Fensterluken, die mit Eisenstangen das mögliche Herunterfallen verhindern. Um einem Drehwurm vorzubeugen, ändert sich die Laufrichtung einmalig im unteren Teil. So weit, so gut.

Wir steigen immer weiter und weiter. Kommen uns Menschen entgegen, klammere ich mich anfangs noch an die äußeren Mauern. Später dann, im oberen Teil, bittet mich Jens mich an der Innenseite festzuhalten.

Interessant sind die verwendeten Baumaterialien: Alle Kanten des Kirchenschiffs und fast alle Teile der Türme sind aus Sandstein (in neugotischen Teilen teilweise auch Kalkstein) und üppige Steinmetz-Arbeiten. Dadurch fällt wenig auf, dass die Außenmauern größtenteils aus Backstein errichtet sind, der auch offen in den Fassaden zutage tritt. Damit steht das Münster einerseits stilistisch den klassischen Werksteinbauten der Gotik nahe, lässt sich andererseits aber auch als Backsteinkirche betrachten. Mir persönlich ist zu diesem Zeitpunkt nur wichtig, dass, welcher Stein auch immer, alles fest zusammenhält. Jens beteuert auch stets, dass diese Mauern zu 100% sicher sind.

Wasserspeier an der Westseite des Münsters kann Jens mit seiner Kamera einfangen. Beim Bau der Strebepfeiler am Münster, die dem Haus Stabilität verleihen, werden genau diese phantasievolle Figuren aus Stein geschaffen, durch die das Wasser nach außen „gespuckt“ wird. Unter den Figuren befinden sich Tiere wie Elefanten, Fische und Vögel sowie menschliche Gestalten und Drachentiere. Von einem Vogelstrauß ist allerdings nur das Hinterteil zu sehen. Der Legende nach soll sich diesen Gag ein Geselle ausgedacht haben: Er hatte sich in die Tochter des Meisters verliebt, die er nach der Zunftordnung aber nicht heiraten durfte. Nun sollte der Geselle eine Tierskulptur erschaffen – und frei nach dem Motto von Götz von Berlichingen zeigte der Strauß den Hintern direkt in die Richtung, wo der Meister wohnte. Ob der Geselle sein „Schätzle“ bekam oder nicht, ist unbekannt. Was für eine schöne Geschichte. Mir selbst ist es nicht möglich diese Figuren bildlich festzuhalten, da ich zum derzeitigen Zeitpunkt mit der Höhe zu kämpfen habe und bedacht darauf bin mich festzuhalten.

Das letzte Stück hat es dann in sich. Einspurig ist der höchste Punkt zu erklimmen. Der Hauptturm misst über 768 Stufen bis zu einer Galerie im oberen Drittel des Turmhelms. Von dort haben wir das eindrucksvolle Panorama der Stadt, ganz Oberschwaben bis zu den Alpen erblicken können. Jens hat die Vorgeschichte, dass er als Kind nach ein paar Runden wieder abstieg. Mit dem heutigen Aufstieg hat er seine Angst über Bord geworfen und hat mit mir die 163 Meter Höhe erklommen.

Tiburtinische Sybylle

Das Chorgestühl, mit Hunderten aus Eichenholz geschnitzten Figuren gefällt mir sehr gut. Eine Figur hat es mir besonders angetan: Die Tiburtinische Sibylle. Jens empfindet sie als gespenstisch, aber irgendetwas hat sie an sich, was mich fasziniert.

Unten angekommen zittern unsere Knie wie Espenlaub: Die Höhenluft, definitiv. ツ

Den restlichen Tag in Ulm verbringen wir an der Donau, an welcher wir bis in die Abendstunden sitzen.

Auf der Rückreise müssen wir erst einmal unsere geliebten Mamas anrufen um voller Euphorie von unseren Erlebnissen zu berichten. Stolz sind wir auf uns, jawohl!

Fazit: Was für ein adrenalingeladener Tag in Ulm. Nicht nur, dass mir mein Mann das Herz höher schlagen lässt, auch der Aufstieg aufs Münster brachte mich zum beben. Es war wunderschön!

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